Filmkritik: Die drei Musketiere
Nachdem ich lange Zeit der Überzeugung war, dass nach Van Helsing und 2012 ein durch Naturgesetze definiertes Limit erreicht wäre, wenn es darum geht, ein zumindest der Optik nach großzügiges Budget in einen Film zu verwandeln, bei dem die Klofrau sowohl für die Story als auch für die Dialoge verantwortlich war, wurde ich gestern eines besseren belehrt.
Auf der Kinokarte konnte man "Die 3 Musketiere" lesen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass der Titel diesem fragwürdigen Meisterwerk nicht gerecht werden kann. Meine persönliche Wahl für einen passenden Namen für den Film wäre "Mel Brooks Van Helsing 2 - Die unglaubliche Reise von Alice mit dem fliegenden Holländer", was im großen und Ganzen bereits die vollständige Story des Films beinhaltet.
Dabei haben die Macher sich nicht lumpen lassen, was das Aufgebot an Schauspielern angeht. Milla Jovovich spielt Lady De Winter, Orlando Bloom mimt den Herzog von Buckingham, also war sowohl für Männlein als auch für Weiblein etwas fürs Auge geboten. Christoph Waltz wurde zum Kardinal Richelieu verwandelt, somit konnte man damit werben, das hier sogar Oscar-Preisträger aus Leibeskräften am Gelingen des Films mitgearbeitet haben. Und schließlich hopst Logan Lerman als D'Artagnan durch die Leinwand, der in Percy Jackson - Diebe im Olymp bereits keine gar so schlechte Figur gemacht hat. Und zugegebenermaßen hat auch keiner der Darsteller wirklich eine schlechte Figur gemacht - wenn man davon absieht, dass nicht wirklich viel Spielraum zu finden war, auch nur in irgendeiner Form eine herausragende schauspielerische Leistung zu erbringen.
Die eigentliche Tragödie an diesem Film sind auch nicht schlechte Schauspieler, sondern eine Story, die selbst, wenn man das Gehirn draußen im Auto lässt, noch immer Nervenenden zu versengen mag. Gewürzt war das Ganze dann noch mit vereinzelten Versuchen, komisch zu wirken, wobei selbst Helge Schneider - mein persönliches Liebkind des Humors, der mich zum Weinen bringt - hier manchmal mehr Erfolg bei mir hat. Vielleicht versteht man meinen Frust etwas besser, wenn ich in aller Kürze eine kurze Zusammenfassung des Geschehens im Film abliefere.
Die Geschichte beginnt in Venedig während der Karnevals-Zeit. Der heroische Athos versteckt sich geschützt durch eine Art Taucheranzug des 17. Jahrhunderts unter Wasser in den Kanälen und passt dort ein paar Stadtwachen ab, die er, als die Gelegenheit sich schließlich geboten hat, von unterhalb der Wasseroberfläche mit Hilfe seiner sich selbst spannenden Armbrüste, die zu beiden Seiten hinten an seinen Schultern festgemacht sind, abknallt. Nachdem auch Lady De Winter, Aramis und Porthos auf die ihnen eigene Weise einen ähnlichen Schlüssel erworben haben - Porthos beispielsweise, indem er sich von Til Schweiger gefangen nehmen lässt um dann die Verankerungen seiner Ketten aus der Wand reißt und damit Til verprügelt - verschaffen sie sich damit Zugang zu einem Versteck, in dem Leonardo Da Vinci die Baupläne für ein fliegendes Kriegsschiff versteckt hatte. Der folgende Betrug von Lady De Winter, den sie ihren Kumpels antut, hat schließlich als Effekt, dass der Herzog von Buckingham zum Besitzer dieser Baupläne wird - also diesem einen Stück Pergament, das zu 90% von einem riesigen Bild eines nautischen Schiffes mit riesigem Luftballon darüber ausgefüllt wird.
Drei Jahre später macht sich der junge D'Artagnagn aus der Gascogne auf nach Paris, um wie sein Vater ein Musketier zu werden. Innerhalb eines Vormittags schafft er es wie in der literarischen Vorlage, sich mit allen drei Musketieren anzulegen um am frühen Nachmittag ein Duell mit allen dreien bestehen zu müssen. Weiters wird er beinahe vom unheimlich bösen bösen bösen Rochefort getötet, weil dieser nicht ehrenhaft mit dem Degen kämpft, sondern hinterlistigerweise auch Pistolen benutzt. Als schließlich im Laufe des Tages die Wachen des Kardinals mehrfach vermöbelt worden sind und D'Artagnagn die Liebe seines Lebens gleichsam beim Fechten mit mehreren Gegnern bezirzt hat, kehrt kurz einmal Ruhe ein.
Leider schmiedet diese böse böse böse Lady De Winter gemeinsam mit Kardinal Richelieu böse böse Pläne, mit denen sie erreichen wollen, dass der leider noch sehr sehr junge und naive König von Frankreich, der dem Kardinal blind vertraut, England den Krieg erklärt. Und die ganze Sache hecken sie aus, während der Herzog von Buckingham mit seinem kürzlich gebauten Luftkampfschiff auf Besuch in Paris beim König ist. Hierzu schleicht sich Milady auf das Dach der Gemächer der Königin, fechtet da oben im Barockkleid fünf Palastwachen zu tode, zieht sich dann bis auf die Unterwäsche aus und benutzt dann ihre unter der Kleidung versteckte Rolle Hochleistungsdrahtseil, um sich über den Balkon Zutritt zur allerheiligsten Kemenate von Frankreich zu verschaffen. Dort versteckt die böse böse Lady De Winter fingierte Liebesbriefe des Herzogs von Buckingham an die Königin, umgeht in gnadenloser Grazilität mit ein paar Saltos und Pirouetten die lasergeschützte Falle, die verhindern soll, dass Einbrecher ein wertvolles Collier, das der König der Königin kürzlich geschenkt hatte, klauen können und tut genau das. Nachdem die böse böse Lady De Winter auf unbekannte Weise wieder ohne Aufsehen zu erregen in Unterwäsche die Gemächer der Königin wieder verlassen hat, sah der Plan vor, dieses Collier im Tower von London zu platzieren, damit der König von Frankreich nicht anders würde können als sicher zu sein, dass sein Weibchen mit Orlando Bloom rumgefummelt hat.
Mit dem Collier in den Händen von Lady De Winter auf dem Weg nach London bleibt den Musketieren gemeinsam mit ihrem neuen Freund D'Artagnagn nichts mehr anderes übrig, als schnell nachzueilen, um das Collier wieder zu kriegen. Der König hatte nämlich mittlerweile bereits die gefälschten Liebesbriefe gefunden und in seiner Eifersucht wendet er sich an den Kardinal, der ihm rät, doch ein Fest zu veranstalten und sein Weibchen zu bitten, das Collier dort zu tragen. Auf dem Weg nach London breitet Athos seine Strategie aus, wie sie denn am besten den Tower zu viert stürmen sollten. Die beste Variante wäre, wenn jeder der Musketiere seine speziellen Fähigkeiten nutzen würde, um in den Tower zu kommen und D'Artagnagn als Ablenkung dienen würde. Gleichzeitig aber erzählt die böse böse Lady De Winter dem Herzog von Buckingham bei einem Schäferstündchen, dass diese verruchten Musketiere auf dem Weg wären um ihm etwas anzutun, und ihn womöglich sogar mit Geschichten über Verschwörungen verwirren könnten. Sie beruhigt ihn allerdings dahingehend, dass sie Athos sehr sehr gut kenne und genau wüsste, dass seine Strategie sein werde, dass die drei Musketiere sich jeder mit seinen speziellen Fähigkeiten Zutritt zum Tower verschaffen würde und D'Artagnagn vermutlich von ihnen ablenken würde. Gleichzeitig unterbreitet der mit scharfem Verstand ausgerüstete Athos auf dem Weg von London seinen Kumpels die wichtige Information, dass Lady De Winter ihn viel zu gut kenne, und wahrscheinlich seine Strategie vorausahnen würde. Daher beschließen sie, dass jeder der drei Musketiere mit den ihnen eigenen Fähigkeiten für Ablenkung sorgen würden, während D'Artagnagn sich in den Tower schleicht. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass der sich mit Unterstützung von Ablenkung der drei Musketiere in den Tower geschlichene D'Artagnagn in Ketten vor dem Herzog von Buckingham kniet und mit einem verschmitzten Grinsen darauf hinweist, dass sie gewusst hätten, dass Lady De Winter gewusst hätte, dass sie wissen, dass Lady De Winter gewusst hätte, welche Strategie die drei Musketiere verfolgen würden und sie sich zum genialen Schachzug entschlossen hatten, dass ER die Ablenkung ist und die anderen drei Musketiere sich mit den ihnen eigenen Fähigkeiten Zutritt zum Luftkampfschiff des Herzogs von Buckingham verschafft hätten.
Mit dem nun geenterten Luftkampfschiff schweben die drei Musketiere nun vor den Gemächern des Herzogs von Buckingham und schießen mit den halbautomatischen Kanonen und Flammenwerfern, die Leonardo Da Vinci offensichtlich irgendwo im Kleingedruckten auf seinem Pergament mit der großen Zeichnung eines Luftkampfschiffes genauer erklärt haben musste. D'Artagnagn springt während des Feuergefechts durch die nicht mehr vorhandenen Fenster rüber auf das fliegende Schiff und ab geht die Post Richtung Paris.
Als jemand auf dem Flug in die Heimat Athos darauf anspricht, warum sie denn gar nicht das Collier aus dem Tower zurück geklaut hätten, meint dieser selbstsicher, dass er Lady De Winter nur zu gut kenne, und genau wüsste, dass sie das Halskettchen nicht im Tower gelassen hätte, sondern bei der einzigen Person, der sie traue - sich selber. Nach dieser überraschenden Wendung stellt sich heraus, dass der Kutscher, der die böse böse Lady De Winter wieder nach Paris bringen sollte, ein Verbündeter der drei Musketiere ist, und nur darauf gewartet hatte, die Kutsche anzuhalten, die Pferde auszuspannen und Karabiner in für solche Zwecke an den Kutschen des 17. Jahrhunderts vorhandene Ösen einzuhaken, damit die Kutsche samt der bösen bösen Lady De Winter nach oben in den Schiffsbauch des geraubten Luftkampfschiffes gezogen werden konnte. Nachdem die böse böse Lady dann ohne weitere Möglichkeit des Entkommens sich dazu entschlossen hatte, einfach von Bord in den sicheren Tod des Wassers zu springen, folgt nun die letzte dramatische Wende in unserem Meisterwerk. Kurz vor Paris werden die Luftkampfschiffräuber Aramis, Athos, Porthos und D'Artagnagn aus der Luft angegriffen. Es handelt sich um ein noch größeres Luftkampfschiff, dass der böse böse Kardinal Richelieu im Geheimen hat bauen lassen, mit einem Skelett mit einem Kreuz in der rechten Hand und einer Sense in der linken Hand als Galeonsfigur, der großen Liebe von D'Artagnagn vorne an diese Galeonsfigur gebunden und kommandiert vom bösen bösen Rochefort, mit dem D'Artagnagn sowieso noch ein Wörtchen reden wird müssen, wegen versuchter Totmachung seinerseits. In einem atemberaubenden Luftkampf schaffen es die vier Musketiere allerdings, ihr völlig unterlegenes Luftkampfschiff direkt in den Rumpf des völlig überlegenen Luftkampfschiffes des Kardinals zu steuern, sodass dieses manövrierunfähig wird und daher erwartungsgemäß von der Spitze eines zufällig in der Gegend herum stehenden pariser Doms von unten wie ein Stück Schaschlick aufgespießt wird.
Der Rest war eigentlich nur noch ein Kinderspiel. D'Artagnagn und Rochefort legen ihren Sandkastenzwist schließlich am First des Domes bei, indem D'Artagnagn dem Körper von Rochefort einen Säbel hinzufügt. Nun stand absolut gar nichts mehr dem Vorhaben im Wege, das zuvor in den Rumpf des großen bösen Luftkampfschiffes gesteuerte kleine gute Luftkampfschiff von dort loszulösen und dann frisch und fröhlich eine Bruchlandung damit im Vorhof des Palastes von Élysée hinzulegen. Damit löst sich die Sache plötzlich in Wohlgefallen auf - der böse böse Kardinal muss so tun, als hätte er dem König ein zerschossenes Luftkampfschiff zum Geschenk gemacht, das er ihm per Bruchlandung gerade überreicht habe, Lady De Winter wird als die böse böse Verschwörerin enttarnt und der Kardinal hat nun große Angst davor, dass die drei Musketiere ihn beim König verpfeifen, D'Artagnagn darf nach Herzenslust mit seiner großen Liebe knutschen und sogar der unreife König schafft es endlich, seinen ganzen Mut zusammen zu nehmen, und seiner Frau, der Königin zu gestehen, dass er sie begehrt und legt damit den Grundstein dafür, dass der nun folgende Tanz, den er mit ihr mit einem brennenden Luftkampfschiff im Hintergrund aufführt, gleichsam das Vorspiel für eine heiße Nacht im Palast werden könnte.
Um die Sache abzurunden, endet der Film damit, dass die tot geglaubte böse böse Lady De Winter vom Herzog von Buckingham völlig durchnässt wachgerüttelt wird. Sie befindet sich offensichtlich mit ihm auf einem Schiff, und der richtig enttäuschte Herzog erklärt ihr, dass er sie im Wasser aufgelesen hat, als er auf dem Weg war, um sein Luftkampfschiff wieder zurück zu holen. Die Kamera zoomt schließlich zurück und man sieht erstens die gesamte Wasserfläche gesäumt von Kampfschiffen, aber nicht nur das, der komplette Luftraum ist voller Luftkampfschiffe. An dieser Stelle ist der durchschnittliche Zuseher bereits vollständig gebrochen und nur noch vereinzelt hört man im Kinosaal eine Person um Gnade betteln.
Bitte um einen Gnadenschuss!
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